Viele Unternehmen wissen gar nicht, wie viel KI-generierter Content bereits auf ihrer Website steht. Bevor Sie die Kennzeichnungspflichten des EU AI Act umsetzen können, brauchen Sie eine systematische Bestandsaufnahme. Dieser Artikel beschreibt die Audit-Methodik.
Warum ein KI-Content-Audit?
Seit ChatGPT im Arbeitsalltag angekommen ist, fließen KI-generierte Texte in Blog-Artikel, Produktbeschreibungen, FAQ-Sektionen und Landingpages ein – oft ohne zentrale Dokumentation. Ein KI-Content-Audit schafft Klarheit über den Status quo und bildet die Grundlage für die Compliance-Umsetzung.
Audit-Methodik in vier Schritten
Schritt 1: Inventarisierung. Listen Sie alle Content-Assets auf: Blog-Artikel, Produkttexte, Landingpages, FAQ, Newsletter-Archiv, Social-Media-Posts. Nutzen Sie Ihr CMS als Ausgangspunkt und ergänzen Sie manuell.
Schritt 2: KI-Beteiligung klassifizieren. Für jedes Asset: Wurde es vollständig von KI generiert? Wurde KI als Schreibhilfe genutzt? Wurde KI für Übersetzung eingesetzt? Oder wurde es vollständig manuell erstellt? Befragen Sie die verantwortlichen Autoren und prüfen Sie interne Dokumentationen.
Schritt 3: Risikobewertung. Priorisieren Sie: Vollständig KI-generierte, öffentlich zugängliche Inhalte haben höchste Priorität. KI-unterstützte Inhalte mittlere Priorität. Interne Dokumente niedrige Priorität.
Schritt 4: Maßnahmenplan. Definieren Sie für jede Risikostufe die erforderliche Maßnahme: maschinenlesbare Kennzeichnung, interne Dokumentation oder keine Aktion erforderlich.
Typische Befunde bei KMU
Produktbeschreibungen in Online-Shops sind häufig der größte Posten – gerade wenn hunderte oder tausende Texte per KI erstellt wurden. Blog-Artikel der letzten ein bis zwei Jahre enthalten oft erheblichen KI-Anteil. FAQ-Sektionen wurden häufig mit KI-Unterstützung erstellt, ohne dass dies dokumentiert wurde.
Ergebnis: Die KI-Content-Matrix
Das Ergebnis des Audits ist eine Matrix, die für jeden Content-Typ den KI-Anteil, die Risikostufe und die erforderliche Maßnahme dokumentiert. Diese Matrix dient als Arbeitsgrundlage für die technische Umsetzung und als Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörden.
FAQ
Wie lange dauert ein KI-Content-Audit? Abhängig von der Website-Größe: Für eine typische KMU-Website mit 50 bis 200 Seiten rechnen Sie mit zwei bis fünf Arbeitstagen.
Muss ich auch Inhalte kennzeichnen, die vor Inkrafttreten des AI Act erstellt wurden? Die Kennzeichnungspflicht gilt für alle zum Stichtag veröffentlichten Inhalte. Rückwirkende Kennzeichnung ist daher empfehlenswert.
Was, wenn ich nicht mehr nachvollziehen kann, ob KI beteiligt war? Dokumentieren Sie den Status als „unklar" und treffen Sie eine Entscheidung auf Basis des wahrscheinlichsten Szenarios. Im Zweifel: kennzeichnen.