KI-Sichtbarkeit in der Search Console: Was der neue Bericht zeigt und was nicht

Google und Microsoft liefern erstmals offizielle Zahlen zur Präsenz in KI-Antworten. Sie beantworten eine wichtige Frage und lassen drei andere offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 31. August 2026 steht der Bericht „Generative KI“ in der Google Search Console allen Websites weltweit zur Verfügung. Er zeigt Impressionen in AI Overviews, AI Mode und den KI-Funktionen in Discover.
  • Klicks, Suchanfragen und eine Position für KI-Funktionen enthält der Bericht nicht. Er misst Präsenz, nicht Traffic.
  • Seit dem 24. September 2026 trennt Search Console zusätzlich textbasierte und multimodale Suchen (Google Lens, Circle to Search, Bild-Uploads), auch im KI-Bericht.
  • Bing Webmaster Tools zeigt seit Februar 2026 als Vorschau, wie oft Copilot Seiten einer Domain zitiert, und mit welchen internen Suchanfragen Copilot nach Quellen sucht.
  • Ein belastbares Monatsreporting kombiniert diese offiziellen Daten mit Prompt-Stichproben, einem Wettbewerbsvergleich und KI-Referrern in GA4.

Was sich geändert hat

Bislang war KI-Sichtbarkeit eine Black Box. Ob eine Website in einer AI Overview als Quelle auftauchte, ließ sich nur durch manuelle Stichproben oder externe Tools beobachten. Die Search Console zählte solche Einblendungen zwar mit, wies sie aber nicht getrennt aus.

Google kündigte die getrennten Leistungsberichte am 3. Juni 2026 an. Ein Nachtrag zur offiziellen Ankündigung bestätigt den weltweiten Rollout der Einblicke zum 31. August 2026. Für Suche und Discover gibt es getrennte Ansichten; sie dokumentieren Sichtbarkeit, keinen vollständigen Conversion-Pfad (Google Search Central).

Was der Bericht „Generative KI“ misst

Der Bericht erscheint als eigener Bereich unter „Leistung“. Er zeigt:

Wichtig für die Einordnung: Die Daten sind keine zusätzliche Quelle. Sie sind laut Google bereits im allgemeinen Leistungsbericht enthalten und werden hier nur getrennt dargestellt (PPC Land). Wer die KI-Impressionen zu den Gesamtimpressionen addiert, zählt doppelt.

Die Zählweise hängt von der Auswertung ab: Im Diagramm wird nach Property aggregiert, bei einer Aufschlüsselung nach Seiten dagegen nach URL. Deshalb können Tabellen- und Diagrammsummen voneinander abweichen. Verwenden Sie bei Monatsvergleichen immer dieselbe Aggregation (Search-Console-Hilfe).

Fehlt der Bericht in einer Property, liegen für die Website laut Google möglicherweise nicht genug Daten vor (Google Search Central).

Neu seit September: textbasiert und multimodal

Am 24. September 2026 hat Google den Suchtyp „Web“ in der Search Console aufgeteilt. „Textbasiert“ umfasst klassische Textsuchen, „Multimodal“ umfasst Suchen, die von einem Bild ausgehen: Google Lens, Circle to Search auf Android, hochgeladene Bilder und die Bildsuche in Chrome (Google Search Console-Hilfe; PPC Land). Der Filter gilt auch für den Bericht „Generative KI“.

Für Online-Shops und Hersteller ist das relevant. Wer ein Produkt fotografiert und danach sucht, kann ebenfalls auf eine KI-Antwort stoßen. Diese Kontakte waren laut Google bisher in keinem Bericht gezählt. Allerdings zeigt der Filter keine Suchanfragen: Welches Bild gesucht wurde, bleibt verborgen. Sichtbar ist nur, welche Seiten wie oft erschienen.

Bing AI Performance: Zitate in unterstützten Microsoft-KI-Oberflächen

Microsoft war früher dran. Seit Februar 2026 gibt es in den Bing Webmaster Tools als öffentliche Vorschau den Bericht „AI Performance“ (Microsoft Bing). Er zeigt:

Grounding Queries sind interne Suchphrasen bei der Quellenbeschaffung, nicht die ursprünglichen Nutzereingaben. Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Daten eine Stichprobe der gesamten Zitationsaktivität darstellen. Sie helfen bei der Themenanalyse, erlauben aber keine vollständige Rekonstruktion eines Gesprächs. Der Bericht umfasst mehrere unterstützte Microsoft-KI-Oberflächen und ausgewählte Partnerintegrationen, nicht nur Copilot (Microsoft).

Was weiterhin fehlt

Die neuen Berichte sind ein Fortschritt. Für eine Bewertung der KI-Sichtbarkeit reichen sie allein nicht aus, denn drei Dinge fehlen.

Klicks. Die hier beschriebenen getrennten KI-Sichtbarkeitsberichte liefern keinen vollständigen Klick- oder Conversion-Nachweis. Google-Klicks bleiben im allgemeinen Leistungsbericht enthalten, sind damit aber nicht vollständig einzelnen KI-Einblendungen zuzuordnen. Eine hohe Zahl an KI-Impressionen kann also mit wenig Besuchen einhergehen. Ob eine Einblendung zu Anfragen führt, zeigt sich erst in der eigenen Webanalyse.

Prompts. Google zeigt keine Suchanfragen für KI-Funktionen. Welche Fragen zu einer Einblendung geführt haben, bleibt offen. Damit lässt sich auch nicht ablesen, ob die Website bei den geschäftsrelevanten Fragen erscheint oder bei Randthemen.

Wettbewerb und Kontext. Bing Citation Share liefert inzwischen eine aggregierte Vergleichsgröße je Grounding Query. Daraus lässt sich jedoch nicht vollständig ablesen, welche Anbieter in einer einzelnen Antwort wie beschrieben oder empfohlen wurden. Dafür bleiben dokumentierte Stichproben nötig.

Hinzu kommt: ChatGPT, Gemini als eigenständige App und Perplexity liefern Website-Betreibern bislang keine vergleichbaren Daten.

Die neue Steuerungsoption: Abschalten ist selten sinnvoll

Unter „Einstellungen > Search generative AI“ können Property-Verantwortliche die Einbeziehung von Links und Inhalten in AI Overviews, AI Mode und generative Discover-Funktionen steuern. Die Einstellung betrifft auch die Verwendung zur Antwortgenerierung, nicht aber das Modelltraining oder die übrige klassische Suche. Google beschreibt dafür eine eigene Steuerungsoption (Search-Console-Hilfe).

Ob ein Ausschluss sinnvoll ist, hängt von Geschäftsmodell, Rechten und Sichtbarkeitszielen ab. Dokumentieren Sie deshalb die Entscheidung und prüfen Sie genau, welche Funktionen die gewählte Einstellung betrifft. Zugriff für Suche, Nutzung zur Antwortgenerierung und Modelltraining sind nicht dasselbe.

So entsteht daraus ein Monatsreporting

Die offiziellen Daten werden am besten als eine von vier Ebenen genutzt. Jede beantwortet eine andere Frage.

Ebene Quelle Beantwortet die Frage
1. Präsenz bei Google Search Console, Bericht „Generative KI“ Wie oft und mit welchen Seiten erscheint die Domain in AI Overviews und AI Mode?
2. Präsenz im Microsoft-KI-Ökosystem Bing Webmaster Tools, AI Performance Wie oft werden Seiten in den unterstützten KI-Oberflächen zitiert, und welche Grounding Queries sind sichtbar?
3. Relevanz und Wettbewerb Prompt-Stichproben mit einem KI-Scanner über mehrere KI-Systeme Erscheint die Marke bei den geschäftsrelevanten Fragen, und wer wird stattdessen genannt?
4. Wirkung GA4: Besuche über KI-Referrer, Conversions Führt die KI-Sichtbarkeit zu Besuchen und Anfragen?

Für den Monatsvergleich bewährt sich ein fester Ablauf:

  1. Baseline sichern. Die Werte aus Search Console und Bing für einen definierten Zeitraum exportieren und als Ausgangspunkt dokumentieren.
  2. Seiten clustern. URLs nach Themen oder Leistungen gruppieren. So wird sichtbar, welche Bereiche der Website in KI-Funktionen erscheinen und welche nicht.
  3. Mit den Prompt-Stichproben abgleichen. Unterschiede zwischen Plattformdaten und Stichproben sind ein Prüfauftrag, kein Beweis für unpassende Themen. Prüfen Sie zunächst Abdeckung, Zeitraum, Sprache und Messkontext.
  4. Grounding Queries auswerten. Die Begriffe aus dem Bing-Bericht zeigen, welche Teilfragen ein KI-System stellt. Fehlende Antworten darauf sind Content-Lücken.
  5. Wirkung prüfen. Besuche über KI-Referrer und deren Conversions in GA4 gegenüberstellen.

Entscheidend ist der Trend über mehrere Monate, nicht der einzelne Monatswert. KI-Antworten können je nach System, Kontext und Messzeitpunkt variieren.

Grenzen der Methode

Auch die Kombination aller vier Ebenen ergibt keine exakte Messung. Die offiziellen Berichte decken nur Google und die unterstützten Microsoft-KI-Oberflächen ab. Prompt-Stichproben bleiben Stichproben, und KI-Referrer werden in GA4 nicht immer sauber übergeben. Ein ehrliches Reporting benennt diese Grenzen und arbeitet mit Bandbreiten und Tendenzen statt mit scheinbar exakten Zahlen.

Messmethodik: Was die Zahlen tatsächlich belegen

Google-Impressionen, Bing-Zitate und Nennungen in Prompt-Stichproben sind unterschiedliche Größen. Sie dürfen weder addiert noch als gemeinsame Reichweite ausgegeben werden. Microsoft beschreibt AI Performance als aggregierte Daten über Copilot, KI-Zusammenfassungen in Bing und ausgewählte Partnerintegrationen; es ist kein vollständiger Bericht über alle KI-Systeme (Microsoft).

Seit Juni 2026 erweitert Microsoft die Vorschau um Intents, Topics, Citation Share und Compare. Citation Share bezeichnet den Anteil der Zitate einer Website an allen Zitaten für dieselbe Grounding Query, nicht den Marktanteil der Marke und nicht ihre Position in einer Antwort. Die konkrete Verfügbarkeit ist im eigenen Konto zu prüfen (Microsoft).

Für Prompt-Stichproben dokumentieren Sie Sprache, Land, System bzw. Modell, Websuche, Konto- und Personalisierungszustand, Zeitraum und Zahl der Wiederholungen. Eine API-Abfrage ist nicht automatisch mit der Nutzeroberfläche vergleichbar. „Erwähnungsquote“ ist der Anteil der geprüften Antworten mit einer Markennennung; Quellzitate werden getrennt gezählt. Der Nenner und das Prompt-Set bleiben für Vergleiche konstant.

KI-Referrer zeigen nur identifizierbare Besuche. Fehlende Referrer, Consent-Lücken und Cross-Device-Wechsel verhindern eine vollständige Zuordnung. Mehr Impressionen oder Zitate beweisen deshalb weder mehr Umsatz noch den kausalen Erfolg einer Maßnahme.

Häufige Fragen

Wo finde ich den KI-Bericht in der Search Console?

Unter „Leistung“ gibt es einen eigenen Bereich „Generative KI“. Seit dem 31. August 2026 ist er für alle Websites weltweit freigeschaltet. Fehlt er, prüfen Sie Datenvolumen und die Einstellung zur Einbeziehung in generative Suchfunktionen.

Zeigt die Search Console Klicks aus AI Overviews?

Der getrennte KI-Bericht zeigt die von Google beschriebenen Sichtbarkeitsdimensionen, insbesondere Impressionen. Klicks aus KI-Funktionen können im allgemeinen Leistungsbericht enthalten sein; das ist aber kein separat auswertbarer Klicknachweis für einzelne AI Overviews.

Sind die KI-Impressionen zusätzlich zu den normalen Impressionen?

Nein. Sie sind bereits im allgemeinen Leistungsbericht enthalten. Der Bericht „Generative KI“ zeigt nur einen Ausschnitt davon.

Was bedeutet „multimodal“ in der Search Console?

Suchen, die von einem Bild ausgehen, etwa über Google Lens, Circle to Search oder hochgeladene Bilder. Seit dem 24. September 2026 lassen sie sich getrennt von textbasierten Suchen auswerten.

Was sind Grounding Queries bei Bing?

Interne Suchphrasen, mit denen die unterstützten KI-Systeme Quellen für eine Antwort beschaffen. Sie sind nicht identisch mit dem, was Nutzer eingeben, zeigen aber, in welche Teilfragen eine Anfrage zerlegt wird.

Reichen die offiziellen Berichte für ein GEO-Monitoring?

Nein. Sie zeigen Präsenz bei Google und die unterstützten Microsoft-KI-Oberflächen, aber keine vollständige Antwortrekonstruktion oder Umsatzattribution. Für eine Bewertung braucht es zusätzlich Prompt-Stichproben über mehrere KI-Systeme und die eigene Webanalyse.

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Jörg Hehl

Jörg Hehl

Gründer & Geschäftsführer, Easeium LLC

20+ Jahre Erfahrung in Performance Marketing, SEO und Web-Analytics. Spezialisiert auf KI-Sichtbarkeit (GEO), EU AI Act Compliance und datengetriebenes Wachstum.

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